Der Bluff beim Poker Teil 2



Dies ist der zweite Teil des Artikels zum Thema Bluffen. Im ersten Teil haben Sie gesehen, wann es sich lohnt zu Bluffen. Hier analysieren wir den Bluff im Poker weiter. Bluffen sieht beim Poker im Fernsehen immer so einfach aus: Ein Poker-Spieler schiebt einfach so viele Chips in die Mitte und übt derartigen Druck aus, dass der Gegner einfach die bessere Hand foldet. Hinter einem guten Bluff steckt aber viel mehr als man denkt.
Viele Poker-Spieler denken, dass Bluffs eine Grundvoraussetzung für gutes Poker-Spiel sind. Das ist insofern richtig, als ein guter Spieler das ein oder andere mal bluffen muss. Allerdings tut er das nur mit sehr guten Erfolgsaussichten und sucht sich dafür den geeigneten Zeitpunkt. Dieser wird von mehreren Faktoren bestimmt.

Der Spielverlauf:

Es ist wichtig zu wissen wie der Gegner seine starken Hände spielt und wie seine schwachen. Das lässt sich aus den Betting-Patterns, den „Mustern“ wie ein Spieler was gesetzt und wie er an dieser Setzrunde gespielt hat erkennen. Es gibt Poker-Spieler, die grundsätzlich starke Hände mit satten Erhöhungen spielen. Wissen Sie das, so können Sie einfach folden, oder selbst erhöhen, wenn die gegnerischen Einsätze klein ausfallen, oder ausbleiben.

Dann gibt es notorische Slowplayer beim Poker. Diese spielen grundsätzlich jede starke Hand langsam, callen oder checken nur und erhöhen erst am River. Callt so ein Poker-Spieler Ihren Einsatz, müssen Sie vorsichtig sein; erhöht er in Situationen in denen er zu callen oder checken neigen würde, so können Sie ihn leicht aus der Hand bluffen.

Hier einmal ein paar Beispiele zum notorischen Slowplayer, der lange Zeit in einem Poker-Club anzutreffen war gespielt hat:

Ich halte KJo in früher Position in einem 6-Mann Sit and Go Poker-Turnier und erhöhe auf 180 bei Blinds von 30/60. Der Button callt und der Big Blind, unser Slowplayer callt ebenfalls. Der Flop kommt mit KK7 offsuited. Der BB (=Big Blind) checkt, ich setze 300, der Button foldet und der Big Blind callt. Turn ist eine 4, der BB checkt. Nach diesem Check/Call/Check-Spiel vom BB bin ich nachdenklich geworden. Er scheint diesen Flop sehr schön getroffen zu haben, denn es ist absolut kein Draw möglich und es gibt keine Chance, dass er hier mit Ass hoch callt. Ein Paar 7 hätte er sofort angespielt, oder ge-checkraised.

Möglich ist, dass er einen weiteren König hat, aber die Chance ist sehr gering, da das der letzte im Deck wäre. Ein höheres Pocketpärchen als 77 hätte er vor dem Flop erhöht. Ich bin hier entweder sehr weit vorne und er hat 3 Outs (um seinen Kicker zu treffen und einFull House voller König zu machen) oder ganz weit hinten mit etwa derselben Anzahl an Outs.
Da ich Position habe, sehe ich was er am River macht und bekomme weitere Informationen. Am River kommt der J und er setzt einen Viertel des Pots. Typischer Einsatz für unseren notorischen Slowplayer! Das Standardspiel mit einer Monsterhand out of Position ist: Check/Call, Check/Call, Kleine Bet um gecallt zu werden.

Die wahrscheinlichste Hand ist 77, wobei Kx auch möglich ist. Ich erhöhe seinen Einsatz, er geht allin und ich calle in einer Nanosekunde. Anschließend zeigt er siegessicher 77 und beschwert sich über eine Bad Beat, die keine war, denn er schob sein Geld mit der schwächsten Hand in die Mitte, er hatte nur Pech, dass ich meine 4 Outs getroffen habe. Aber das ist natürlich eine Gefahr des Slowplays.

Eine andere Poker-Hand zeigt das genaue Gegenteil:
Ich erhöhe wieder vor dem Flop mit T7s in früher Position und werde von ihm im Small Blind gecallt. Der Flop kommt K Q 8, er checkt, ich mache meine Continuation Bet. Er callt.
Am Turn kommt eine 7 und das dritte Pik. Er spielt fast eine Pothöhe an und ich setze ihn allin.
Nach langer Überlegung foldet er und meint ich hätte sehr viel Glück …

Letzteres ist ein schönes Beispiel für einen guten Semi-Bluff, der wegen der gegnerischen Betting-Pattern funktionieren konnte. Hier wusste ich, dass der notorische Slowplayer einen Flush, Two Pair oder einen Drilling checken würde und dass er ein Pärchen weglegt, wenn der Druck groß genug ist.
Allgemein gesagt: Spricht der Spielverlauf beim Poker für eine schwache Hand beim Gegner, so hat ein Bluff große Erfolgsaussichten.


Die Hand und der Einsatz:

Achten Sie bei einem Bluff darauf, dass der Gegner eine Hand hat, die er auch folden kann.
Ich habe schon häufig gesehen, dass ein schwacher Poker-Spieler einen Bluff auf einem gefährlichen Board (Strassen-, Flush- und Drillingmöglickeiten) gestartet und all seine Chips verloren hat. Der Grund hierfür ist der, dass sein Gegner tatsächlich dieses gefährliche Board getroffen und der Poker-Spieler zuviel dafür riskiert hat.
Liegen z.B. AKQT4 auf dem Board, im Pot sind 100 und beide Spieler haben 2000 in Chips. Bei diesem Strassenboard reicht ein kleiner Einsatz um den Pot in Angriff zu nehmen. Wird hier mehr als 100 gesetzt, so wird der Spieler vom Gegner nur gecallt bzw. geraised, wenn dieser den J hat. Hier gilt schon wie bei den Pot Odds das Risiko-Belohnungsverhältnis. Riskieren Sie möglichst wenig um einen möglichst großen Pot zu gewinnen.

Allerdings verlieben sich viele Poker-Spieler in dieses Prinzip und machen ihre Bluff-Einsätze so klein, dass der Gegner zu gute Pot Odds bekommt um zu folden. Die goldene Regel heisst hier: Genug erhöhen um die Sache zu erledigen, aber nicht mehr. Wird der Gegner bei einem Einsatz von 200 sein mittleres Pärchen weglegen, so erhöhen Sie 200, aber keine 600. Jeder zusätzliche Einsatz bringt mehr Chips in Gefahr ohne größere Erfolgsaussichten zu haben.

Die Stacks:

Als Stack bezeichnet man die Anzahl der Chips, die ein Poker-Spieler zur Verfügung hat. Dabei unterscheidet man in Short Stacks (= wenig Chips), Medium Stacks (=durchschnittliche Anzahl an Chips) und Big Stacks (= viele Chips).

Bei einem Poker-Turnier sind natürlich die Short Stacks am meisten unter Druck. Die Blinds steigen und sie benötigen Chips um Chancen auf den Titel zu haben. Deswegen sind sie häufig verzweifelt und warten nur auf einen Moment alle Chips in die Mitte zu schieben. Es versteht sich von selbst, dass Short Stacks ein schlechtes Ziel für Bluffs sind!

Die Big Stacks haben viel mehr Spielraum. Sie können sich gemütlich Flops ansehen, ständig die Blinds angreifen und überhaupt viel Druck aufbauen. Auch sie sind keine guten Bluffobjekte!
Sie haben einfach zuviele Chips und letztendlich können sie nicht unter Druck gesetzt werden.

Der geeignete Gegner ist demnach der Medium Stack. Er hat noch gute Chancen auf den Sieg und möchte deswegen nicht sein Turnierleben in marginalen Situationen aufs Spielsetzen. Deswegen steckt er gerne zurück, wenn er Gefahr sieht seine gute Position zu riskieren.

Der Gegner:

Es gibt viele unterschiedliche Spielertypen. Aggressive, zurückhaltende, verrückte Poker-Spieler und welche, die jede Hand spielen, ständig erhöhen oder callen. Das Ziel eines Bluffs ist natürlich den Gegner dazu zu bringen die bessere Hand zu folden. Kann ein Poker-Spieler aber nicht folden und callt alles, so ist ein Bluff sinnlos, weil er keine Chance auf Erfolg hat. Sitzt man hingegen einem sehr zurückhaltenden Spieler gegenüber, der sehr starke Hände foldet, weil er Angst hat geschlagen zu sein, so hat fast jeder Bluff eine gute Aussicht auf Erfolg.

Wie kann man seinen Gegner also einschätzen?
Ganz einfach indem man den Spielverlauf am Poker-Tisch beobachtet, aufmerksam ist und sich solche Tendenzen merkt. Schauen wir uns einmal folgendes Szenario bei einem No Limit Hold’em Pokerturnier an:
Spieler A erhöht in früher Position, Spieler B im Small Blind callt, alle anderen folden.

Der Flop kommt: A 8 Q, Spieler A spielt an und B callt.
Am Turn kommt ein König, A setzt, B callt und am River folgt eine 3. A geht allin, B überlegt etwas und callt. A zeigt AK und B Q6.

Wenngleich B nun ausgeschieden ist, so haben wir bei einer einzigen Hand wertvolle Informationen erhalten, die wir beim nächsten Bluff-Versuch gegen ihn verwenden können. So haben wir gesehen, dass er unglaublich loose ist, also mit sehr schwachen Händen vor dem Flop callt. Außerdem ist er eine klassische Calling-Station, ein Poker-Spieler, der bis zum River callt, obwohl seine Hand viel zu schwach ist um in Führung liegen zu können. Unser Fazit: Gegen diesen Spieler keinen Bluff starten.
Es gibt ein schönes Sprichwort: Don’t bluff the monkey! Das geht mir jedesmal durch den Kopf, wenn ich unbedingt einen Bluff starten will, aber einem solchen Monkey gegenüber sitze. Oft ist es egal wie gut man den Gegner beim Poker lesen kann, wenn er sich nicht aus der Hand bringen lässt.

Letztens hatte ich einen solchen Spieler am Poker-Tisch und wir waren Heads-Up am Turn. Ich wusste, dass er total schwach war, entweder einen Draw oder irgendein schwaches Pärchen hatte. Am River kam eine nichtsaussagende Karte (= Blank) und ich wollte ihn mit Ass hoch aus der Hand bluffen. Selbst dieser Poker-Spieler hätte hier sehen müssen, dass er mit seiner schwachen Hand keine Chance auf den Sieg hat. Er callt aber und gewinnt mit K2 einem 2er Pärchen!

Schauen wir uns nun den anderen Extremfall an. Ein weak-tighter Poker-Spieler spielt wenige Hände (= tight) und diese auch noch sehr zurückhaltend (=weak). Er befürchtet immer das Schlimmste und wirft auch sehr starke Hände weg, wenn ihm der Preis zu hoch wird! Man findet schnell heraus, ob der Spieler weak-tight ist. Erst einmal achtet man darauf wieviele Hände er überhaupt spielt.

Spielt er im Durchschnitt pro Runde nur eine Hand, so ist er sehr tight. Nun muss man den weak-tighten noch vom tight-aggressiven Spieler unterscheiden können. Das lässt sich nach dem Flop feststellen. Erhöht der tighte Spieler sehr viel und spielt aggressiv, so ist er nicht weak-tight. Checkt er hingegen, wirft seine Hand nach einer Erhöhung schnell weg und sieht nur selten einen Showdown, weil er bereits gefoldet hat, so ist er weak-tight und ein sehr gutes Bluffobjekt!



Eigene Spielweise am Poker-Tisch:

Natürlich muss auch die eigene Spielweise mit der Hand übereinstimmen, die man repräsentieren möchte. Gibt es Unregelmäßigkeiten, so werden sie von einem guten Poker-Spieler sehr schnell gefunden und der Bluff verliert an Glaubwürdigkeit. Ein klassisches Beispiel ist das Ass im Heads-Up. Jede Hand mit Ass ist im 1-gegen-1 eine starke Hand, die erhöht werden sollte. Sitzt ein Spieler im Small Blind (=Dealerbutton im Heads-Up), callt, im Flop kommt das Ass und der Spieler erhöht fleißig um das Ass zu repräsentieren, so neigt der Big Blind dazu ihm das Ass nicht zu glauben und wird auch mit schwächeren Händen callen.

Es muss also darauf geachtet werden,dass die Hand, die man bei einem Bluff repräsentieren möchte zum eigenen Spielverlauf passt!

Der Einsatz und Multiple-Level-Thinking:

Nehmen wir einmal an wir haben überhaupt nichts und sitzen einem guten Poker-Spieler am River gegenüber, der Second Pair mit einem guten Kicker hat. Unser Gegner checkt zu uns und wir können die Hand nur gewinnen indem wir etwas setzen und ihm zum folden bringen. Mit welchem Einsatz erreichen wir das, wenn 1000 im Pot sind und wir beide 5000 im Stack haben?
Ein sehr kleiner Einsatz mit 100 wird wohl sicher gecallt. Damit bekommt unser Gegner 11:1 Pot Odds und muss nur jedes zwölfte Mal gewinnen um einen guten Call zu machen.
Ein großer Einsatz mit 1000 gibt ihm 2:1 Pot Odds und er muss schon jedes dritte Mal gewinnen.
Gehen wir allin, so sind 6000 im Pot und er muss 5000 bezahlen. Zuviel für ein mittleres Pärchen.

Ist der Gegner aber sehr gut und kann sich in die Lage seiner Gegner versetzen. Bei jedem Einsatz von uns muss er beurteilen können, ob es ein Bluff ist, oder nicht. Mit einem Bluff möchten wir, dass unser Gegner foldet indem wir ihm die schlechtesten Pot Odds geben. In den Augen unseres Gegners riecht also ein großer Einsatz nach einem Bluff und ein kleiner nach einer starken Hand, die ausbezahlt werden möchte.

Führen wir das ganze noch ein Stückchen weiter: Wir wissen, dass unser Gegner das weiß. Demnach würde er bei einem großen Einsatz von einem Bluff ausgehen, bei einem kleinen von einer starken Hand. In diesem Fall reicht ein kleiner Einsatz von uns um dem Gegner auf die falsche Fährte zu locken. Das ganze nennt sich Multiple-Level-Thinking und ist in solchen Fällen äußerst wichtig. Ein schwacher Gegner sieht den Pot, unseren Einsatz und seine Hand. Danach entscheidet er sich, ob er callt, oder nicht. Ein guter Gegner sieht die Pot Odds, die wir ihm geben und überlegt warum wir genau diesen Einsatz tätigen. Ein sehr guter Poker-Spieler denkt noch ein Level höher.

Es gilt herauszufinden inwiefern Ihr Gegner mit dieser Materie vertraut ist und danach den Einsatz auszurichten. Gegen unseren guten Poker-Spieler würde ein kleiner Einsatz reichen, weil er diesen für eine Suck Bet (= kleiner Einsatz, der nach einem Call schreit!) hält und foldet. Gegen einen schwachen wäre diese Bet verschwendetes Geld …
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