Spiel vor dem Flop (BB) 1
Das Spiel aus dem Big Blind in No Limit Heads-Up
Viele Spieler argumentieren, dass der Positionsnachteil dazu veranlasst wesentlich weniger Hände zu spielen. Einerseits ist das nicht zu bestreiten, andererseits kann es aber auch von Vorteil sein den Pot zuerst in Angriff nehmen zu können und selbst der Aggressor zu sein! Außerdem würde ich nicht soweit gehen und die eigenen Hände allgemein tighter ansetzen, sondern einfach Hände weglassen, die out of Position weniger spielbar sind, wie mittlere Pärchen, Connectors und schwache Asse.
Grundsätzlich gibt es zwei Gegnertypen. Der eine findet sich eher auf höheren Limits und spielt nach einem funktionierenden System wie diesem, während der andere ein notorischer Caller ist und sich jeden Flop ansehen möchte ohne zu erhöhen.
Notorischer Caller
Es muss kaum gesagt werden, dass es kein großes Problem ist diesen Spieler zu schlagen. Es gibt allerdings auch zwei unterschiedliche Spielergruppen:
Die Callingstation, die wirklich mit allen Händen callt, demnach eine Hand-Range von Any-Two hat und ein Caller, der gewisse Startanforderungen ansetzt und demnach etwa 50 % der besten Hold'em-Hände spielt – und das, wie gesagt immer mit einem Call.
Die Anpassung ist relativ einfach und richtet sich einzig und allein an die gegnerische Hand-Range bzw. dessen Verhalten nach einem Raise.
Haben wir es mit einem Any-Two Caller, sprich einer kompletten Callingstation zu tun, so haben wir mit den besten 40 % aller Hände eine Raisehand. Das Problem ist allerdings, dass dieser Spieler höchstwahrscheinlich auch nach einem Raise callen wird und demnach wäre es nicht sinnvoll mit Q4s zu erhöhen um einen großen Pot out of Position zu spielen. Das heisst es muss ein Angleich erfolgen und nur mit den Händen erhöht werden, die auch nach dem Flop spielbar sind:
AA – 22
AK – A2
KQ – K7
QJ – Q9
JT, T9, 98 und 87
Mit diesen Händen heisst es for Value zu raisen, wobei die schwächsten dieser Hände wie 87 und T9 auch kein Problem damit haben einen kostenlosen Flop zu sehen. Wegen des loosen Gegners, der viele Bets callen wird, haben diese Hände gute Implied Odds.
Gegen den notorischen Caller mit Startanforderungen (wie z.B. 50 % aller Hände) muss tighter gespielt werden, wobei das gegnerische Verhalten berücksichtigt werden muss.
Callt dieser Caller alle unsere Preflopraises, so müssen die eben gezeigten Anforderungen nach oben geschraubt werden:
AA – 55
AK – A5
KQ – K9
QJ – QT
Das liegt daran, dass wir auf jeden Fall gegen seine Hand-Range spielen müssen und keine Möglichkeit besteht, dass er foldet. Würden wir hier mit T9s oder A2o erhöhen, so wären wir gegen seine Hand-Range Underdog und zusätzlich nach dem Flop out of Position! Deswegen ist eine recht gute Hand erforderlich.
Callt dieser Spieler jedoch nicht jeden Raise, so können wir mit einer breiteren Palette an Händen erhöhen und ihn das ein oder andere Mal aus der Hand semibluffen:
AA – 22
AK – A2
KQ – K7
QJ – Q9
JT, T9, 98 und 87
Je nach Verhalten des Gegners kann diese Range auch noch erweitert werden. Limpt dieser mit jeder zweiten Hand, aber foldet jedes zweite Mal nach einem Raise aus dem BB, so besteht eine 50 %-ige Chance, dass er foldet und das Extra-Geld lässt sich ohne Widerstand einsammeln. Callt er aber, so spielen wir gegen die besten 25 % aller Hände und sind mit den schlechtesten unserer Raise-Hände wie 98, oder K7 etwa 2:1 Underdog. Dennoch ist ein Raise mit diesen Händen profitabel, da einmal die Möglichkeit besteht, dass er foldet und zum zweiten, dass der Flop uns in Führung bringt.