Jan Meinert über Bluffing

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Jan Meinert über Bluffing

Der Bluff ist ein sehr starker Spielzug im Poker, da er es ermöglicht, ohne eine gute Hand, gutes Geld zu machen. Wenn Sie die Kunst des Bluffens beherrschen, sind nicht mehr sklavisch den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ausgeliefert. Sie müssen nicht stundenlang auf gute Poker-Hände warten wenn Sie auch mit 72-offsuit gewinnen können. Machen Sie sich klar, das Bluffen im No Limit Hold'em Poker und Pot Limit Poker wichtiger ist als im Limit-Poker. Beim Limit-Poker gibt es viel mehr Calls, da diese nicht so teuer sind wie beim No Limit Hold'em Poker. Der Call ist natürlich das Ende eines jeden Bluffs. Betrachten wir zunächst, welche Arten von Bluffs wir kennen.

Semi-Bluff – Der halbe Bluff
Bluffs lassen sich zunächst nach ihrer Handstärke unterscheiden. Der reine Bluff basiert auf gar keiner bzw. einer sehr schwachen Hand. Der Semi-Bluff hingegen wird mit einer Hand gemacht, die momentan zwar relativ schwach ist, aber noch Potential hat, zum Beispiel ein Flush Draw auf dem Flop mit Bottom Pair. Geht der Gegner nach meinem Einsatz raus, so haben Sie Ihr Ziel erreicht und den Pot gewonnen. Wenn der Gegner nicht aufgibt, haben Sie als zusätzliche Option, mit Ihrer Hand regulär zu gewinnen, da noch Potential in ihr steckt. Der Vorteil beim Semi-Bluff ist also, dass Sie auf zwei Arten gewinnen können.

Post-Oak-Bluff – Weniger ist mehr
Bezüglich der Einsatzhöhe kann man den normalen Bluff vom Post-Oak-Bluff unterscheiden. Beiden ist gemeinsam, dass man nichts oder sehr wenig auf der Hand hat. Beim normalen Bluff setzen Sie hoch. Sie wollen den anderen durch einen hohen Einsatz dazu bringen, mit der besseren Hand aufzugeben.
Beim Post-Oak-Bluff hingegen setzen Sie relativ niedrig, um dem Gegner zu suggerieren, dass Sie eine gute Hand haben und „Betting for Value“ betreiben, dass Sie also setzen, um Geld in den Pot zu kriegen. Post-Oak Bluffs sind vor allem gegen gute Poker-Spieler angebracht, die einen normalen Bluff schnell durchschauen.

Gegen Anfänger ist der Post-Oak-Bluff meist völlig verfehlt, da diese niedrige Einsätze meist, ohne mit der Wimper zu zucken, mitgehen. Bedenken Sie beim Post-Oak-Bluff immer, dass wegen der niedrigen Einsatzhöhe und der guten Pot Odds, die man dadurch gibt, die Gefahr besteht, dass der Gegner einfach nur mitgeht und den Bluff auffliegen lässt.

Beim Bluffen kommt es immer auf die richtige Dosis an. Wenn Sie selten oder nie bluffen, laufen Sie Gefahr, zu wenige Pötte zu gewinnen. Ihr Spiel tendiert dann zu sehr in Richtung tight – passive. Die anderen Spieler bluffen munter drauf los und „stehlen“ einen Pot nach dem anderen, während Sie auf gute Hände angewiesen sind. Wenn Sie dagegen zu häufig bluffen, werden die anderen Poker-Spieler dies sehr schnell merken und ehe Sie sich versehen, haben Sie einen Call nach dem anderen und ihr Geld verloren.

Ideal ist also eine Spielweise, die ein tightes Spiel mit einigen Bluffs zur rechten Zeit „würzt“. Denn eines ist klar: Damit die Leute ihre guten Blätter ausbezahlen, müssen Sie wissen, dass Sie überhaupt zu einem Bluff fähig sind. Das müssen Sie demonstrieren. Sie bekommen dann häufiger den gewinnbringenden Call bei einem guten Blatt.

Man kann hier sogar so weit gehen, sich genau sein Verhalten bei einem misslungenen Bluff zu merken und dies dann exakt zu wiederholen, wenn man nicht blufft und auf eine starke Hand wettet. Die Gegner vermuten einen Bluff und gehen mit - Die Kasse klingelt. Umgekehrt habe ich selbst bei meinem Spiel mehrmals ein seltsames Erlebnis gehabt: Manchmal war ich abgelenkt und habe mich mit meinen Hole-Cards vertan. In einem Fall habe ich einen Buben mit einem König verwechselt und habe gedacht, ich hätte einen Drilling. Ich hatte aber keinen. Ich habe einfach den Drilling gespielt und gewonnen, weil mein Bluff so gut war. Er war so gut, weil ich selber getäuscht war.


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