Time Tells und Reverse Tells



Das Thema Time und Reverse Tells ist am Poker-Tisch ein großes Thema, das zwar nicht nur im Heads Up zu beachten ist, aber dort um nichts weniger wichtig ist. Für all jene, die noch nicht wissen um was es in diesem Poker-Artikel überhaupt geht sei kurz erklärt, dass man nicht nur anhand von körperlichen Reaktionen wie zum Beispiel zittern, schwitzen, dem Tonfall usw. erkennen kann ob der Gegner auf einem Monster sitzt oder einen Bluff spielt, sondern auch an der Zeit die dieser verstreichen lässt, bis er seinen Move macht.
Natürlich gibt es auch die Hollywood Poker-Spieler, die uns mit überlangem Nachdenken oder schnellen All Ins mit Reverse Tells hinters Licht führen wollen. Grundsätzlich gibt es 4 verschiedene Möglichkeiten um am Poker-Tisch mit der Zeit bis zum Move zu operieren.

  • Länger als normal um Stärke zu signalisieren.
  • Länger als normal um Schwäche zu signalisieren.
  • Kürzer als normal um Schwäche anzuzeigen.
  • Kürzer als normal um Stärke anzuzeigen.

Natürlich kommt es hauptsächlich darauf an, welche Reads Ihr schon vom Gegner habt. Lässt er sich immer 15 Sekunden Zeit wenn er mit den Nuts All In pusht? Will er uns damit eventuell anzeigen – er sei schwach deshalb einen Call wünscht? Ihr seht also, es ist gar nicht so leicht zu erkennen was unser Gegner mit uns vorhat.

Aber seid Ihr euch sicher, dass Euch der Gegner mit seinem Zeitmanagement nicht hinters Licht führen will, sprich er spielt keine Show, dann gibt es 2 eindeutige Zuordnungen von Handstärken je nachdem wie lange er zum Überlegen braucht.

Überlegt er länger als es für ihn gewöhnlich üblich ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Bluff spielt um ein Vielfaches höher. Wieso? Die meisten durchschnittlichen Poker-Spieler brauchen etwas Zeit zum Überlegen, ob sie nun einen Bluff spielen oder eben nicht. Dabei müsst Ihr nur eines beachten, ob der Gegner schön gemütlich in seinem Sessel sitzt und überlegt oder ob er das Board am Poker-Tisch studiert.



Ist dies nämlich der Fall, dann kann es durchaus sein, dass sich unser Gegenüber nur doppelt und dreifach versichert, dass er ja ganz sicher seinen Gutshot am River getroffen hat und nun mit einer Straight dasitzt. Deswegen unbedingt den Gegner beobachten.

Umgekehrt, also bei einem schnellem Raise oder All In push, ist es viel wahrscheinlicher, dass der Gegner eine starke Hand hält. Er braucht keine Zeit mehr zum Überlegen und dementsprechend schnell sind seine Moves. Dieser Tipp ist allerdings bei Gegnern hinfällig, die gerade on Tilt sind, denn bei diesen Spielern kann ein Instant All In (also ein All In ohne zu zögern) auch eine reine Verzweiflungstat sein.

Um das Ganze etwas anschaulicher zu machen, wollen wir das Ganze an einem Beispiel durchgehen.

Ihr seid im Heads Up im No-Limit Hold’em Poker und beide Spieler haben 1500 Chips.
Wir halten TT bei Blinds 15/30 und der Gegner am Button erhöht auf 90. Wir machen anschließend einen Reraise auf 300. Der Gegner überlegt 15 Sekunden und pusht dann All In. Was machen wir, bzw. auf welche Hand können wir den Gegner setzen?

Habt Ihr schon länger einen entsprechenden Read auf den Gegner oder besser noch Ihr kennt seine Spielweise schon länger und wisst, dass er einen solchen Move nur mit einem Premium Paar machen würde, dann fällt die Entscheidung nicht schwer. Aber was machen wir wenn uns der Gegner völlig unbekannt ist?

Natürlich ist es hier auch möglich, dass uns der Gegner Unschlüssigkeit vorspielt und mit einem Premium Paar am Tisch sitzt. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass er mit einer Ace High Karte oder einem kleinen Paar tatsächlich zum Überlegen gezwungen war und von uns dominiert wird. Ein Call wäre also auf jeden Fall gerechtfertigt.

Für Euch selbst gilt. Wenn Ihr nicht wisst, ob Ihr Tell-Geber seid, dann lasst Euch bei jedem Move 10 Sekunden Zeit unabhängig davon, ob Ihr eine starke Hand habt oder einen Bluff startet. Das hat den günstigen Nebeneffekt, dass man bei jeder Entscheidung genügend Zeit hat seine Handlung zu überdenken ohne dem Gegner Hinweise zu geben. Seid Ihr bereits geübte Poker-Spieler, dann könnt Ihr mittels Reverse Tells versuchen den Gegner zu täuschen.

Resümme:

Können wir ausschließen, dass unser Gegner ein guter Schauspieler ist, dann bedeuten Verzögerungen zumeist Schwäche und Instant Moves, Stärke.

Tipp: Mit der richtigen Auslegung von Tells kannst Du viel Geld beim Pokern verdienen. Noch einfacher ist es aber, einfach einen Bonus bei einer neuen Pokerseite abzugreifen.


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